2025
In 70 Tagen vom Nufenenpass über den Westalpenbogen bis ans Mittelmeer nach Ventimiglia.
Die Grande Traversata delle Alpi (GTA) ist für uns mehr als ein Weitwanderweg. Sie ist eine langsame Reise durch atmende Berge, stille Täler und Dörfer,
die ihre Geschichten wie alte Freunde mit uns teilen.
In 70 Tagen, über 60’000 Höhenmeter und mehr als 900 Kilometer folgen wir den Spuren vergangener Zeiten. Alte Schmugglerpfade, Saumwege und vergessene Militärstrassen führen uns vom garstigen Nufenenpass bis zum warmen Mittelmeer.
In den stillen, teils verlassenen Tälern des Piemonts spüren wir, wie viel Geschichte in einem Dorfbrunnen, einer «Mulatteria» oder einer geschlossenen Quarzmine steckt. Die Landschaft ringt seit der Industrialisierung mit dem Verstummen der Dörfer. Viele Menschen sind abgewandert, Häuser verfallen, Traditionen verblassen.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, entstand 1979 die GTA. Sie haucht den alten Verbindungs-
wegen neues Leben ein – still, behutsam, ohne Neues zu bauen. So bleibt die Wertschöpfung bei den Bewohner die hier leben und diese Landschaft seit Generationen prägen. Ein Weg, der Menschen verbindet, die Berge respektiert und uns Wandernden die Illusion schenkt, wir wären besonders widerstandsfähig.
Wir übernachten dort, wo der Tag zu Ende geht: in einfachen Herbergen, ehemaligen Schulen, kleinen Gasthäusern oder in verlassenen Gebäuden, manchmal auch in kalten Biwaks – oder unter freiem Sternenhimmel.
Der Weg fordert Schweiss, Tränen und Schmerz.
Und er beschenkt uns reich mit Begegnungen, die zu Geschichten werden. Pflanzen und Tiere, die uns staunen lassen. Landschaften, die im Morgenlicht still ihren Tag beginnen und im Abendrot sanft erzählen. Eine kulturelle Vielfalt, die uns überrascht, und eine bodenständige piemontesische Küche, die uns erinnert, warum wir eigentlich weiterlaufen.
Unterwegs lernen wir, wie wenig es braucht, um
sich reich zu fühlen.
Wir sind dankbar – für alle Menschen, die dieses Abenteuer möglich gemacht haben und uns unterwegs gestärkt, überrascht oder berührt haben.
Und für die Berge selbst, die uns getragen, geprüft und verwandelt haben.
Saba und Christian, 2025
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